Der Karmapa ist das Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie, einer der vier großen Linien des tibetischen Buddhismus. Karmapa heißt wörtlich „Verkörperung aller Aktivitäten der Buddhas“. Der erste Karmapa, Dusum Khyenpa, lebte von 1110-1193. Er hat die Tradition der Tulkus begründet, das heißt der erleuchteten Lehrer oder Rinpoches, die ihre Wiedergeburt bewußt kontrollieren können, um ihre Aktivität zum Wohle aller Lebewesen ungebrochen fortsetzen zu können. Der jetzige Karmapa, Ogyen Trinley Dorje, ist der 17. in der Linie dieser erleuchteten Meister.

S.H. der 16. Gyalwa Karmapa
Rangjung Rigpe Dorje (1924-1981)
S.H. der 17. Gyalwa Karmapa
Ogyen Drodul Trinley Dorje
DER EHRWÜRDIGE KHENCHEN THRANGU RINPOCHE

Rede über seine Heiligkeit den 17. Karmapa

Ein Interview, das ursprünglich auf Chinesisch für die Zeitschrift "For Your Information" mit Thrangu Rinpoche bezüglich der Karmapa-Kontroverse geführt wurde.
Das Interview wurde von Karma Choying Kunkyab Ling arrangiert und dem Hauptherausgeber des "For Your Information"-Magazins, Guang Chao, am 24. Mai 2000 in Karma Choying Kunkyab Ling gegeben.
Es gibt eine Kontroverse über die Identifizierung des 17. Karmapa innerhalb der Kagyu Linie. Zwei ältere Schüler des 16. Karmapa haben zwei verschiedene Jungen als die Wiedergeburt des 16. Karmapa identifiziert. Tai Situ Rinpoche hat Ugyen Trinley Dorje aus Tibet identifiziert, während Sharma Rinpoche Thaye Dorje aus Indien identifiziert hat. Dies führte zu dem Ergebnis, daß es jetzt zwei 17. Karmapas zu geben scheint. Dies hat Anlass zu viel Verwirrung unter den Schülern gegeben. Ich denke, dass strittige Angelegenheiten dieser Art von den Religionsältesten der Kagyu Tradition geklärt werden sollten. Vor kurzem wurde ich durch die Gelegenheit geehrt, Thrangu Rinpoche zu interviewen. Er ist nicht nur einer der Religionsältesten, er war auch ein religiöser Lehrer von Situ Rinpoche und Sharma Rinpoche. Ich denke, dass er der am besten qualifizierte Kagyu Religionsälteste ist, um die Wahrheit zu klären und uns zu informieren.

Chao: Hat es jemals solch ein Problem innerhalb der Karmapa Linie gegeben?

Rinpoche: S.H. the Karmapa ist der erste, der sich in der Geschichte der Menschheit reinkarniert hat (eine Wiedergeburt ist im Tibetischen als ein Tulku bezeichnet). Seine Heiligkeit hat die längste Linie, und der gegenwärtige Karmapa ist die 17. Wiedergeburt. Nach seinem Tod geht jeder Karmapa in das reine Land ein und dann durch das Beibehalten seiner Ziele kehrt er in diese Welt zurück. Es gab Fragen darüber, wer der wirkliche Karmapa war, während der 8., 10. und 12. Wiedergeburt.
Jedoch waren die Schüler durch ihr Vertrauen in ihrem Glauben an den Karmapa und ihre Entschlossenheit, seine Heiligkeit zu unterstützen und zu schützen, in der Lage, die Angelegenheit bei allen den drei verschiedenen Anlässen zu lösen. Am Ende wurden keine der Vorfälle ein großes Problem.

Chao: Warum gab es Kontroversen und warum wurden sie nicht zu Problemen? Was waren die Gründe?

Rinpoche: Normalerweise gibt es am Anfang solch eines Problems zwei Gruppen von Leuten. Jene in der ersten Gruppe haben nicht das Leistungsspektrum und die psychische Fähigkeit, um die Wiedergeburt des Karmapa zu identifizieren. Auch verfügen sie nicht über die Weisheit. Worauf diese sich verlassen, ist ihre Gabe des Gequassels und banaler Fertigkeiten. Also haben sie Zweifel und Fragen darüber, wer wirklich der Karmapa ist. Jene in der anderen Gruppe sind wahre Praktizierende mit Verdienst. Ihre Weisheit ermöglicht ihnen, sehr eindeutig zu wissen, wer der wirkliche Karmapa ist. In diesem Moment, wenn es diese zwei verschiedenen Gruppen von Leuten gibt, gibt es Uneinigkeit.
Der Karmapa ist die Verkörperung von Shakyamuni Buddha und allen Bodhisattvas und ihren geistigen Aktivitäten und ihres Verdienstes. Deshalb steht er über allen Banalitäten und wird durch solche Uneinigkeiten in keinster Weise gestört. Folglich wurden keine von ihnen jemals zum Problem.

Chao: Nach Meinung von Rinpoche wird die Kontroverse schließlich aufgrund der Qualitäten und des Verdienstes des Karmapa gelöst. Aber solange dies nicht geschieht, sind die Schüler des Karmapa einem Zustand der Unordnung und Verwirrung preisgegeben. Deshalb wird gehofft, dass die Religionsältesten der Kagyu Tradition, wie Rinpoche, die Anhänger der Kagyu-Tradition aufklären. Von Rinpoches Standpunkt aus, wie legen sie (die Älteren) genau fest, wer der wirkliche Karmapa ist? Wenn sie nicht wissen, wie es zu tun ist, können sie für den Rest ihres Lebens nicht den wirklichen Karmapa kennen.

Rinpoche: Dies ist eine wichtige Angelegenheit. Es ist eine Angelegenheit, die die Linie der ganzen Tradition betrifft. Ich würde gerne eine einfache Analogie als ein Bildnis verwenden: Nehmen wir an, dass es zwei Äpfel auf dem Tisch gibt, wovon einer von ihnen ein wirklicher Apfel und der andere eine Fälschung ist. Wenn wir hungrig wären, wäre es gut, wenn wir den wirklichen Apfel nehmen und die Fälschung wegwerfen würden. Hätten wir andersherum gehandelt, würden wir hungrig bleiben. Es ist dasselbe in dem Fall, wo es darum geht sich genau zu vergewissern, wer der wirkliche Karmapa ist, und wer nicht. Die Folgen eines Fehlers sind gravierend. Wer hat die Fähigkeit, den wirklichen Karmapa zu identifizieren und den Schülern zu zeigen, wie man sie unterscheiden kann? Es ist meine Pflicht und auch die Pflicht der Religionsältesten und der älteren Rinpoches innerhalb der Kagyu-Linie. Ich will diese Verantwortung jetzt auf mich nehmen. Ich will all meinen Schüler mitteilen, daß sie, um eindeutig zu wissen wer der wirkliche Karmapa ist und wer der falsche Karmapa ist, ihrer Dharma Praxis folgen müssen.
Im Moment sind zwei Karmapas aufgetaucht, einer aus Indien und der andere aus Tibet. In Bezug auf weltliche Angelegenheiten habe ich nichts mit ihnen zu tun. Ich lebe in Nepal. Im Verlauf meiner Traditionslinien-Praxis betete ich konstant zum 16. Karmapa , damit seine Hilfe mir ermöglicht, eindeutig und tief in meinem Geist zu wissen, wer der wirkliche 17. Karmapa ist. Mit reiner Motivation und mit den Segnungen vom 16. Karmapa betend, habe ich mit absoluter Gewissheit beschlossen, dass Ugyen Trinley Drodul Dorje aus Tibet der 17. Karmapa ist. Ich kam zu dieser Schlussfolgerung durch meine eigene Praxis und die Segnungen des Karmapa. Wir konnten auch durch folgendes feststellen, wer der wirkliche 17. Karmapa ist:
Erstens gab es einen großen tibetischen Terton namens Chogyur Lingpa. In der Aufzeichnung seiner Vision, der ihm gezeigten Prophezeiungen, gibt es klare Beschreibungen verschiedener Ereignisse im Leben des 1. bis zum 21. Karmapa. Diese Beschreibungen schließen den Ort der Geburt der Karmapas und den Namen ihrer jeweiligen Vorgänger ein.
Entsprechend dieser Aufzeichnung von Prophezeiungen ist Ugyen Trinley Dorje vom Tsurphu Kloster der wirkliche Karmapa.
Zweitens, als ich mit dem 16. Karmapa zusammen war, schrieb er auf seinem Weg aus Tibet nach Indien einen Voraussagebrief über seine Wiedergeburt. Nachdem er im Kloster Rumtek in Sikkim ankam, schrieb er auch einen Brief in poetischer Form, der seine Wiedergeburt vorhersagte. Ich habe beide Briefe selbst gelesen. Der erste dieser zwei Briefe gab eindeutig an, dass Ugyen Trinley Dorje aus Tibet der 17. Karmapa ist. Der zweite Brief, den ich gelesen habe, der in Rumtek geschrieben ist, gab wieder eindeutig an, dass Ugyen Trinley Dorje aus Tibet der 17. Karmapa ist.
Drittens, all die hoch-realisierten Mönche des Vajrayana Buddhismus, wie S.H. der Dalai Lama, S.H. Sakya Trizin und viele andere hingebungsvoll religiös Praktizierende haben in ihrer Weisheit gesagt, dass Ugyen Trinley Dorje aus Tibet der 17. Karmapa ist.
Ich fühle mich sehr glücklich, so viele reine Beweise darüber erhalten zu haben, daß wir den 17. Karmapa gefunden haben; um in der Lage zu sein, uns vor ihm niederzuwerfen. Ich hoffe, dass Sie alle eine reine Motivation erzeugen und hoffe auch, dass Sie alle wissen, dass Ugyen Trinley Dorje das 17. Karmapa ist.
Sortieren Sie den unechten Apfel bewusst aus. Greifen Sie nach dem echten. Sie werden ungeheuren Nutzen ernten.

Chao: Rinpoche sagte, dass der große Terton-Meister Chogyur Lingpa Prophezeiungen über den 1. bis zum 21. Karmapa aufgeschrieben hat. Was hat er über die Prophezeiung für den 17. Karmapa geschrieben?

Rinpoche: Chogyur Lingpa war ein Zeitgenosse des 13. Karmapa. Die Voraussagen behandelten eigentlich die 14. bis zur 21. Wiedergeburt. Von der Voraussage über den 17. Karmapa gibt es nicht viel Schriftliches. Dennoch wurden mehrere wichtige Punkte aufgezeichnet.
Der erste wichtige Punkt in der Aufzeichnung erwähnt, dass der Karmapa zusammen mit Tai Situ Rinpoche auf einem Berg mit einer Menge Steinen und üppigen Bäumen ist. Ihr Verstand ist untrennbar als eins zusammengefügt. Über den 15. Karmapa gibt die Aufzeichnung an, dass er großen Verdienst durch seine Yogaübung erreichte. Die Tatsache, dass der 15. Karmapa Dakinis bei sich hatte, zeigt, dass er sich mit der Yogaübung beschäftigte, die in der Voraussage erwähnt wird. Die Voraussage bezüglich des 16. Karmapa ist ziemlich speziell. Die Aufzeichnung erwähnt ein doppelstöckiges Gebäude. Der 16. Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje, saß auf dem Boden des Erdgeschosses, und eine Statue von Shakyamuni Buddha stand im ersten Stock. Diese Abbildung zeigt eindeutig, dass der 16. Karmapa ein sehr reiner Bikkhu war. Es zeigt auch, dass der 16. Karmapa viele reine Bikkhu-Schüler hatte. Die Beschreibung, dass der 17. Karmapa mit Tai Situ Rinpoche zusammen ist, bedeutet, daß es Uneinigkeit über diese Wiedergeburt gibt, und daß der Geist des 17. Karmapa und der Geist von Tai Situ Rinpoche untrennbar voneinander sind.

Chao: Aufgrund der von Chogyur Lingpa Rinpoche gemachten Voraussagen lässt sich schließen, dass Ugyen Trinley Dorje, der mit Tai Situ Rinpoche zusammen ist, der wirkliche Karmapa ist. Außerdem, Rinpoche, haben Sie erwähnt, dass Sie die zwei vom 16. Karmapa geschriebenen Briefe gelesen hatten. Könnte Rinpoche uns freundlicherweise sagen was diese zwei Briefe im Detail beinhalten?

Rinpoche: Der erste Brief, der aus zwei Seiten besteht, wurde vom 16. Karmapa geschrieben, als er in Tibet war. Nach seiner Ankunft in Sikkim bat er eine Druckgesellschaft, die Camata genannt wird, eine ziemlich hohe Anzahl an Kopien zu drucken. Viele hatten die Chance, diesen Brief zu lesen. Der zweite Brief wurde in Rumtek, Sikkim geschrieben. Wieder hatten viele die Chance, ihn zu lesen. Nachdem er ihn gelesen hatte, bat der Abt des Klosters Rumtek den Karmapa um die Erlaubnis, den zweiten Brief zur weiteren Verbreitung drucken zu lassen. Der Karmapa erlaubte nur die Herstellung von 50 Kopien, da er nicht zu viele Kopien im Umlauf bringen wollte. Der gemeinsam hervorstechende Punkt in diesen zwei Briefen war die Erwähnung der Wiederkehr der 17. Wiedergeburt in Tibet. Vor allem sagte der erste Brief "ich bin jetzt in Indien, aber ich kehre sehr bald nach Tibet zurück". Der zweite Brief erwähnte auch, dass er sehr bald nach Tibet zurückkehren werde.
Jedoch sagte er in Gesprächen mit seinen Schülern normalerweise "ich werde nicht nach Tibet zurückgehen". Aber in beiden Briefen sagte er, "ich kehre sehr bald nach Tibet zurück". Später merkten seine Schüler, dass der Hauptgrund für seine Behauptung, dass er nach Tibet zurückkehren werde, war, eine Voraussage darüber abzugeben, dass er in Tibet inthronisiert werde.

Chao: Rinpoche hat solche unschätzbare Information und Einblicke gegeben, um zu beweisen, dass Ugyen Trinley Dorje der wirkliche Karmapa ist. Da dies als solches bewiesen worden ist, wie ist dann Sharma Rinpoche in der Lage, dagegen zu sein? Da er ein früherer Student von Rinpoche ist, aus welchen Gründen ist er gegenteiliger Meinung und besteht auf gegenteiligen Ansichten wie sein früherer Lehrer?

Rinpoche: Bevor der 17. Karmapa identifiziert wurde, hatte ich mit Sharma Rinpoche bezüglich der Identifikation der Wiedergeburt gesprochen. Ich hatte ihm dazu geraten, es nicht zu tun (eine andere Identifikation auszuführen), um nicht ein Problem zu schaffen. Wegen unseres Meisters und wegen des Treffens einer Entscheidung über diese wichtige Angelegenheit hoffte ich, dass alle darin Verwickelten ihre eigenen Ansichten und ihre eigenen Interessen außer Acht lassen. Aber sein Verwandter (der inzwischen gestorben ist) war unnachgiebig gegen meinen Vorschlag. Sharma Rinpoche akzeptierte meinen Rat nicht mehr. Wegen jener Faktoren meine ich nicht, dass ich ihm danach erneut raten sollte. Der Grund hierfür ist, dass ein Praktizierender irgendeiner Vajrayana-Methode keine Notwendigkeit hat, mit irgendjemandem bezüglich seiner Suche nach seinem Meister und seiner Zuflucht zu diskutieren. Dies ist sehr wichtig.

Chao: Ich hörte, dass Sharma Rinpoche den Brief des 16. Karmapa durch wissenschaftliche Methoden prüfen lassen wollte. Was war der Grund, der ihn veranlasste, so etwas zu fordern?

Rinpoche: Die zwei früher erwähnten Briefe waren nicht die Voraussagedokumente, die Sharma Rinpoche prüfen wollte. Bezüglich forensischer Untersuchung der Voraussagedokumente denke ich persönlich, dass es unnötig ist, weil die vom letzten 15. Karmapa hinterlassenen Dokumente über (seine) Wiedergeburt nie forensischer Untersuchung unterzogen worden waren. Jedes Mal wenn es eine Kontroverse gab, würden die Schüler diese schließlich durch ihr Vertrauen zum Karmapa und seinen Segnungen lösen. Ebenso gibt es im gegenwärtigen Fall keine Notwendigkeit, die Dokumente von forensischen Experten prüfen zu lassen. Sachlich gesehen haben viele hochrangige Mönche und Praktizierende durch ihr Mitgefühl und ihre Weisheit eindeutig darauf hingewiesen, wer der Karmapa ist. Alles, was wir tun sollten, ist sich daran zu halten, was sie sagen. Weiterhin wird forensische Untersuchung gegen Verbrecher verwendet. Die Dokumente der von S.H. Karmapa zurückgelassenen Voraussage sind nicht nur sakral, sondern auch gesegnet. Sie zu prüfen, als ob sie Dokumente wären, die von Verbrechern zurückgelassen wurden, ist vom religiösen Standpunkt aus ziemlich befremdend. Aufgrund von diesen zwei Gründen ist eine forensische Untersuchung der Dokumente unnötig.

Chao: Jetzt es gibt zwei Karmapas in Indien. Einer von ihnen ist real, und der andere ist es nicht. Hat Rinpoche daran gedacht, Ugyen Trinley Dorje, den schwarzen Hut tragend, im Kloster Rumtek in einer Zeremonie zu inthronisieren, der Ihre Heiligkeiten, Rinpoches und Khenpos, die aus den verschiedenen Schulen der Vajrayana-Tradition eingeladen sind, beiwohnen, um ihre Anerkennung zu erhalten? Gibt es solch einen Plan?

Rinpoche: Die Krönung mit dem schwarzen Hut wird fristgemäß durchgeführt, unabhängig davon, ob wir hart darauf hin arbeiten oder nicht. Warum?
Wegen seines Mitgefühls und seines Ziels, mit seinen Dharma Aktivitäten fortzufahren, um alle fühlenden Wesen zu befreien, ist der Karmapa zur Umsetzung seines eigenen freien Willens zurückgekehrt.
Mit der Kraft solcher Segnung kommen alle Dharma-Aktivitäten dieser Art natürlich zur Erfüllung. Es gibt keinen Bedarf, dass wir uns sorgen.

Chao: Ziemlich viele Karma Kagyu Schüler sind Anhänger des Sharma Rinpoche. Wenn sie nach dem Hören Ihrer Belehrung glauben, dass Ugyen Trinley Dorje der wirkliche Karmapa ist, wie werden sie ihrem Lehrer Sharma Rinpoche gegenübertreten?

Rinpoche: Der Kern dieser Angelegenheit ist die Karmapa-Linie. Es hat mit der Reinheit der ganzen Kagyu-Linie zu tun. Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass in der Kagyu-Linie die fortlaufende Übertragung aller Segnung, Dharma-Praxis, Methode, Einweihung, mündliche Übertragung, Mantra und Belehrung von der ungebrochenen Linie des Karmapa kommen. Mit anderen Worten, wenn die Karmapa-Linie von der ersten bis zur 17. Wiedergeburt rein ist, dann erhalten wir reine Segnung in unserer Praxis. Wir können auf diese Art sehen, dass Reinheit in der Linie äußerst wichtig ist. Dies ist der Grund, warum wir Karmapa Ugyen Trinley Dorje folgen wollen. Wenn Schüler von Sharma Rinpoche merken, dass die von ihm gewählte Person nicht der wirkliche Karmapa ist, und immer noch denken, dass es in Ordnung für sie ist, solange sie Sharma Rinpoche folgen, weil die Angelegenheit des wirklichen und falschen Karmapa für sie unerheblich ist, dann ist ihre Art zu denken sehr falsch. Tatsächlich betrügen sie sich selbst. Wenn Sie glauben, dass Ugyen Trinley Dorje der Karmapa ist, so bringt Ihr Vertrauen und die Segnung Ihres Meisters Sie natürlicherweise näher zum Karmapa Ugyen Trinley Dorje. In solch einer Situation ist es natürlich, Sharma Rinpoche zu verlassen.
An dieser Stelle muss ich klären, dass ich diese Belehrung nicht von der Seite von Tai Situ Rinpoche her gebe. Ich sage dies alles nicht, um Unterstützung für Tai Situ Rinpoche oder Gyaltsab Rinpoche zu zeigen. Auch versuche ich nicht, Sharma Rinpoche zu kritisieren oder seinen Stand zu negieren. Der wirkliche Zweck dieser Diskussion ist es heute eindeutig zu erklären, das in der Vajrayana-Praxis die wichtigste Angelegenheit darin besteht, zu wem wir Zuflucht nehmen. Die Person/Abbildung, nach der wir unser Ziel ausrichten und an die wir unsere Gebete richten, muss klar und rein sein. Dies ist sehr wichtig. Eine klare und reine Person/Abbildung wird von ungeheurer Hilfe für die Praktizierenden sein. Wenn die Person, zu der wir Zuflucht nehmen, und an die wir unser Gebet richten, eine falsche ist, dann werden wir kein sehr gutes Ergebnis in unserer Praxis erzielen. Diesen Punkt möchte ich heute sehr stark betonen.
Mein Zweck ist es, die Karma Kagyu-Praktizierenden wissen zu lassen, wo ihre wahre Zuflucht ist. Ich hoffe, dass Sie alle verstehen, dass der Zweck der heutigen Diskussion eindeutig von der wahren Zuflucht handelt. Dieses Thema wird aus dem Blickwinkel der Dharma Praxis erörtert.

Chao: Laut Rinpoches Belehrung nehmen Karma Kagyu-Praktizierende Zuflucht zum Karmapa und stellen ihn sich als ihren Wurzelguru vor. Wenn sie Sharma Rinpoche als ihren Meister annehmen und auch an Thaye Dorje als den Karmapa glauben, dann sollte es doch kein Problem geben. Wenn jedoch Karma Kagyu-Schüler nicht an Thaye Dorje, sondern an Ugyen Trinley Dorje als den Karmapa glauben, verraten sie dann ihren Meister? Wie sollten sie dieses in ihrer Praxis lösen?

Rinpoche: Ich möchte nicht Partei für eine Seite ergreifen, aber ich will den Kagyu-Schülern sagen, dass sie sich für den richtigen geistigen Pfad entscheiden müssen, den sie in ihrer Dharma-Praxis folgen wollen. Dies ist das wichtigste, was zu tun ist. Wenn wir einerseits Sharma Rinpoches Schüler sind und über seine Wege auf der anderen Seite im Zweifel sind, haben wir noch keine Notwendigkeit, ihn zu kritisieren.
Es ist auch nicht nötig, dass wir dort verharren und fortfahren, den Dharma von ihm zu lernen. Wenn Sie Vertrauen zu Ugyen Trinley Dorje haben, werden Sie sich sofort und natürlich für Dharma-Belehrung ihm zuwenden.

Chao: Wenn Schüler von Sharma Rinpoche Zuflucht zu Ugyen Trinley Dorje in ihrer Dharma-Praxis nehmen, von welchen Khenpos und Rinpoches sollten sie den Dharma lernen?

Rinpoche: Es besteht kein Bedarf, Sharma Rinpoche zu kritisieren, aber sie können Dharma von vielen Rinpoches lernen. Wie findet jemand einen neuen Guru? Um einen Guru zu finden, muss jemand fortfahren zu beobachten. Wenn die Rede, Führung und Dharma Belehrung eines Lehrers Sie zu der Meinung veranlassen, dass seine Linie rein ist, entwickeln Sie das Vertrauen, um den Dharma von ihm zu lernen. Wenn ein Rinpoche sagt "Komm, sei mein Schüler", dann ist etwas mit diesem Rinpoche nicht in Ordnung. Wenn jemand nicht in der Lage ist zu sagen, wer der wirkliche Karmapa ist und wer nicht, kann er sich dann beide als Karmapa in seiner Praxis vorstellen? Es gibt eine tibetische Redensart: "Man kann keinen Erfolg mit zwei Überzeugungen haben; man kann nicht mit zwei Nadeln nähen".
Zwei Überzeugungen zu haben bedeutet die Abwesenheit der Unbeirrbarkeit; man kann deshalb nicht hoffen, viel zu erreichen. Es ist das Gleiche damit, sich Karmapa in der Dharma-Praxis vorzustellen. Es gibt zwei Arten von Leuten, die sich zwei Karmapas vorstellen. Der erste Typ besteht aus Leuten, die Vertrauen zu keinem von beiden haben, aber die Überzeugung haben, dass einer der zwei der wirkliche Karmapa ist. Als Ergebnis hiervon ist ihre Motivation für die Praxis nur 50%. Das Ergebnis, das sie zukünftig ernten werden, wird nicht vollständig sein. Jene der zweiten Art sind Leute, die unter dem 16. Karmapa übten.
Sie sind nicht sicher, ob sich der 16. Karmapa reinkarniert und zu den Menschen zurückgekehrt ist. Sie denken, dass wie auch immer die Situation ist, es am besten ist, wenn sie dem 16. Karmapa folgen. Da er schon gestorben ist, stellen sie sich zwei 17. Karmapas vor und nehmen Zuflucht zu beiden. Ihr Denken ist sehr irrtümlich. Niemand sollte sich vorstellen, Zuflucht mit einem konfusen Kopf zu nehmen. Es muss ein klarer Glaube an nur einen Karmapa und auch an seine Rückkehr vorhanden sein. Zum 17. Karmapa sollte man Zuflucht nehmen.
Ich bin Thrangu Tulku. Ob meine Wiedergeburt ein- oder mehrfach ist, beeinflusst die Karma Kagyu-Tradition nicht sehr. Im Falle des Karmapa gab es immer nur eine Wiedergeburt zur gleichen Zeit. Dies müssen die Schüler fest glauben.

Chao: Nehmen wir an, dass alle Schüler des 16. Karmapa denken, dass sie, da sie Zuflucht zum 16. Karmapa genommen und die Methoden und Sadhanas von ihm erhalten haben, sich nicht dafür interessieren müssen, wer der 17. Karmapa ist, und in ihren Übungen allen Anweisungen des 16. Karmapa folgen. Wäre das in Ordnung?

Rinpoche: Dies ist unlogisch. Nehmen Sie ein Beispiel. Ich hatte Vertrauen zu meinem Vater, als ich im Alter von 1 bis 30 war, zwischen meinem 30. und 40. Lebensjahr hatte ich kein Vertrauen mehr zu ihm. Dann sagen Sie mir, dass ich noch Vertrauen zu meinem Vater habe! Vielleicht. Im Falle der Karmapa-Linie müssen Karmapas Schüler sowohl aufrichtiges Vertrauen zum ersten Karmapa und zu allen seinen Wiedergeburten, als auch die feste Überzeugung haben, dass die Linie fortlaufend und ungebrochen ist.

Chao: Rinpoche hat wiederholt gesagt, dass es nur einen Karmapa gibt. Aber ich habe vor kurzem gehört, dass Karmapas Körper-, Rede- und Geist-Wiedergeburten haben können. Es könnte (also) viele Wiedergeburten des Karmapa geben. Gibt es nur einen Karmapa (zur selben Zeit) oder gibt es mehrere? Gab es in der Geschichte der Karmapas Fälle, in denen Karmapa sich dazu veranlasst sah, nach seinem Tod mehrfach zu reinkarnieren?

Rinpoche: Wenn einige Lamas wiedergeboren wurden, manifestierten sie Wiedergeburten des Körpers, der Rede und des Geistes, um ihre Arbeit, alle fühlenden Wesen zu befreien, weiter auszudehnen. Bezüglich S.H. dem Karmapa gibt es zur gleichen Zeit nur eine Wiedergeburt.

Chao: Schließlich gab es ist viele Khenpos und Rinpoches, die nach Singapur kamen, um den Dharma zu verbreiten. Wenn sie gefragt werden, wer der wirkliche Karmapa ist, werden sie grundsätzlich nicht sagen, wen sie unterstützen. Der Grund hierfür ist, dass sie gute Beziehungen zu Sharma Rinpoche pflegen und nicht gegen irgendjemanden Stimmung machen möchten. Was sind Rinpoches Ansichten zu diesen Lamas?

Rinpoche: Es gibt wirklich viele Karma Kagyu Lamas, die Leuten den Eindruck geben, dass sie neutral sind, keine der Parteien verurteilen. Lamas dieser Kategorie sorgen sich nicht wirklich um die Praxis ihrer Schüler. Sie wollen ihren Schüler auch nicht wirklich den korrekten Dharma lehren. Wenn Sie Ihren Schülern sagen, dass eine besondere Dharma-Belehrung richtig ist, können Sie dies nicht auf eine mehrdeutige Art sagen. Sie können kein Zaudern und keine Zurückhaltung haben. Persönlich werde ich nicht von der Kritik der Leute gestört, dass ich immer für die Unterstützung von Ugyen Trinley Dorje eintrete. Meine echte Sorge ist, ob jeder meiner Schüler einer reinen Linie folgen kann und durch diese reine Linie Bodhicitta und Mitgefühl entwickelt, um die Erleuchtung zu erlangen. Wenn ich Dharma-Belehrungen gebe, ist mein Ziel auf jedes fühlende Wesen acht zu geben und mich um es zu sorgen.

Die Linie der Karmapas
Der jetzige 17. Karmapa wurde im Jahr 1985 in einer Nomadenfamilie in Ost-Tibet geboren. Seine Geburt war von außergewöhnlichen Zeichen begleitet, so dass seine Familie vermutete, er könne die Reinkarnation eines Rinpoche sein. Deshalb wurde er bereits mit 4 Jahren in ein nahes Kloster zur Erziehung gebracht, verbrachte aber weiterhin viel Zeit mit seiner Familie. Im späten Frühjahr des Jahres 1992 wies er seine Familie an, ihr Lager in ein anderes Tal zu verlegen und den Besuch reisender Mönche zu erwarten.

Tatsächlich tauchte bald eine Gruppe von Karma-Kagyü-Lamas auf, die anhand eines Vorhersage-Briefes, der vom vorhergehenden 16. Karmapa geschrieben wurde, nach seiner Wiedergeburt suchten. Der Brief enthielt genaue Angaben zum Geburtsjahr, dem Geburtsort und den Namen der Eltern, die seine Identifizierung ermöglichte. Auch S.H. der 14. Dalai Lama bestätigte kurze Zeit später die Identifizierung.

Im Juni 1992 wurde er zum Kloster Tsurphu gebracht, dem Stammkloster der Karmapas in Tibet, und 2 Monate später als 17. Karmapa Ogyen Drodul Trinley Dorje im Beisein tausender Tibeter und westlicher Besucher inthronisiert.

Der 7-jährige Karmapa nach seiner Inthronisierung im Tsurphu-Kloster 1992
In Tsurphu begann er sogleich mit seinen Studien der buddhistischen Geisteswissenschaft, Rituale und heilige Kunst. Zudem gab er täglich Audienzen für hunderte von Besuchern. Schon kurze Zeit später gab er die ersten Einweihungen und nahm an verschiedenen Ritualen des Klosters teil. Im Alter von 10 Jahren begann er selber die Reinkarnationen verschiedener Kagyü-Lamas zu identifizieren.

Da viele Lehrer der Kagyü-Tradition im Exil in Indien lebten, war es ihm nicht möglich die Einweihungen und Übertragungen zu erhalten, die für die Erfüllung seiner Aufgaben notwendig sind. Deshalb entschloss er sich mit 14 Jahren nach Indien zu fliehen. Am 5. Januar 2000, nach 9 Tagen auf der Flucht, erreichte er Dharamsala und wurde von S.H. dem Dalai Lama begrüßt.

S.H. der Dalai Lama begrüßt den 14-jährigen Karmapa nach seiner Flucht aus Tibet im Januar 2000.
In Indien setzte er seine traditionellen Studien fort, begann aber gleichzeitig mit dem Studium moderner Wissenschaft und der englischen Sprache. Seit seiner Ankunft in Indien hält er sich im Kloster Gyuto in Dharamsala auf, wo er jedes Jahr tausende Besucher aus aller Welt empfängt. Im Jahre 2008 begann er seine lange erwarteten Reisen in den Westen, um die Dharma-Aktivitäten des 16. Karmapa fortzusetzen.

S.H. der 17. Karmapa und Thrangu Rinpoche während des Kagyü-Mönlams 2010
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